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Tag: 29. Juni 2018

Die Mutter – KickOff

Maxim Gorki Die Mutter Roman

Maxim Gorki „Die Mutter“ Vorderseite des Buches

Trivia

Ich kannte den Namen Maxim Gorki nur vom Hörensagen und hatte keine Vorstellung vom Werk dieses Schriftstellers. Als ich also eines Abends in meinem Lieblingsburgerladen stand und freundlich daraufhingewiesen wurde, dass es noch ungefähr 25 Minuten dauern würde, bis ich überhaupt meine Bestellung aufgeben könne, fand ich einem Regal des Restaurants dieses Buch und sagte mir „Mensch, mal sehen, was der so schreibt!“ Der Titel „Die Mutter“ macht sehr neugierig, wie ich finde.

Fakt ist, ich wurde vom ersten Wort an in die Szenerie gesetzt und von ihr gefesselt. Die realistischen Beschreibungen, die Schwere des Alltages der Vorstädter, die hoffnungslose Ausweglosigkeit, die sich ja über Generationen ausgedehnt zu haben scheint und unüberwindbar wirkt, ist beeindruckend.

Ich glaube aber, dass mich das „Setting“ noch aus einem anderen Grund fesselt; ich, in meinem Alltags- und Arbeitsleben, pendle morgens und abends 2 Stunden von zu Hause ins Büro und wieder zurück. Die 8 Stunden dazwischen, habe ich an meinen Arbeitgeber verkauft. Meine Arbeit ist modern, die Zeiten von Schmutz und Dreck bei der Arbeit sind vorbei; Dennoch spüre ich mit Mitte 30 den Verschleiß; und ich habe, wenn ich meine Mitpendler so ansehe und interviewe, noch ein ganz angenehmes Auskommen. Aber es gibt heute viele Menschen, die genauso pendeln wie ich, aber bis zu 50% ihres Einkommens allein für die Miete aufbringen müssen oder sich ihre Miete nur mit einem Partner zusammen leisten, der sie nicht glücklich macht, und sie somit in zweierlei Abhängigkeit (Arbeitgeber/Partner) leben.

Vielleicht glaube ich auch nur, dass ich es besser habe und bin genauso arm dran. Vielleicht ist es so, dass jeder nur hofft, es irgendwann besser zu haben, aber dabei sein Leben unter Wert feil bietet. Im Buch selbst wird gleich im ersten Kapitel ein Indiz dafür genannt, woran man erkennen kann, ob einen der Beruf zu sehr einnimmt und das Leben dadurch aufzehrt: Wenn es unter den Arbeitern nur noch die Arbeit als Konversationsthema gibt und abseits dessen nur Unmut und Überschwang und Rücksichtslosigkeit der Menschen untereinander herrscht, dann ist man schon ziemlich nah am „Worst-Case“, wie die Unternehmensberater sagen.

Maxim Gorki Roman Die Mutter

Titelseite „Die Mutter“ von Maxim Gorki

So oder so: die 25 Minuten Wartezeit sind, mit einem kühlen Radler kombiniert, wie im Fluge vergangen und ich habe das Restaurant nicht nur mit Nahrung für den Körper verlassen. 🙂

Direkter Kapitelsprung

Erster Teil

Kapitel1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4  Kapitel5

Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9

Die Mutter – Kapitel 1

Die in diesem Kapitel folgende Beschreibung der Anfangsszene des Romans ist so detailreich und fesselnd, dass es eigentlich zu schade ist, sie nur teilweise oder verkürzt wiederzugeben. Dennoch:

Wir lernen das Leben der „Vorstädter“ kennen, denen eine Fabrik jeden Tag aufs Neue metaphorisch die „Kraft aus den Muskeln saugt“ und sie zum Feierabend wieder ausspeit, um sie in ein paar Stunden Trunkenheit zu entlassen, bevor sie sie am nächsten Morgen mit dem stechenden Schrill der Werksirene wieder zu sich ruft.

Wir befinden uns in der Hochzeit der Industrialisierung an der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert irgendwo in einer kleinen, russischen Vorstadt:

„Tagtäglich erklangen in der rauchigen, öligen Luft über der Arbeitervorstadt die zitternden, heulenden Töne der Fabriksirene, und ihrem Ruf gehorchend, kamen aus den kleinen grauen Häusern gleich erschreckten Küchenschaben finstere Menschen auf die Straße gelaufen, die ihre Muskeln durch Schlaf nicht hatten erfrischen können.“

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