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... weil er ein musischer Nerd ist!

Tag: 3. Juli 2018

Die Mutter – Kapitel 2

Einer dieser Vorstädter ist Michail Wlassow, der mit seiner Frau und seinem Sohn Pawel in einem der kleinen Arbeiterhäuser in der Nähe der Fabrik wohnt.

Michail ist ein „mürrischer Mensch mit starkem Haarwuchs und kleinen Augen, die misstrauisch und mit ungutem, hämischen Lächeln unter dichten Brauen hervorschauten.“ Er ist grob und gewalttätig gegen alle anderen Menschen seiner Bekannschaft, inklusive seiner Familie, und hat als einzigen Gefährten einen Hund, den er zwar jeden Abend aus seiner eigenen Schüssel füttert, aber demgegenüber er sonst keinerlei Zuneigung zeigt.

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Die Mutter – Kapitel 3

Pawel lebt mit seiner Mutter nun allein in dem kleinen Arbeiterhäuschen und versucht, in die Fußstapfen seinen Vaters zu treten: „etwa vierzehn Tage nach dem Tode des Vaters kam Pawel Wlassow an einem Sonntag stark betrunken nach Hause. Taumelnd zwängte er sich auf den Ehrenplatz, schlug mit der Faust auf den Tisch, wie es der Vater getan hatte, und schrie die Mutter an: ‚Abendessen!‘“

Offensichtlich zum ersten Mal in seinem Leben betrunken lässt er sich von der zärtlichen Kraft seiner Mutter besiegen, die ihn mit Wasser und Eis zu Bett bringen will. Kurz bevor er dann entschlummern kann beantwortet er die Frage seiner Mutter, wie er sie denn als Trunkenbold ernähren wolle, mit einem trotzigen: „Alle trinken!“

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Die Mutter – Kapitel 4

„Ich möchte dich fragen“, sagte sie leise, „was du da immer liest?“

Pawel liest seit langem „verbotene Bücher. Sie sind deswegen verboten, weil sie die Wahrheit über unser Leben, das Leben der Arbeiter, sagen…“

Er führt seiner Mutter die vergangenen Arbeitsjahre vor Augen: „Du bist vierzig Jahre alt – hast du überhaupt gelebt? Der Vater hat dich geschlagen… ich verstehe jetzt, dass er an dir all seinen Kummer ausgelassen hat, den Kummer seines Lebens; der hat ihn bedrückt, aber er begriff nicht woher das kam. Er hat dreißig Jahre gearbeitet; als er anfing zu arbeiten war die Fabrik noch in zwei Gebäuden untergebracht, und jetzt sind es sieben!“ – „Was für Freuden hast du gekannt? Woran kannst du schon in deinem Leben zurückdenken?“

Der Mutter erwachen durch die feurige Rede ihres Sohnes „längst versunkene, unklare Gedanken“ und entfachen „erloschene Gefühle einer dunklen Unzufriedenheit mit dem Leben, Gedanken und Gefühle ihrer fernen Jugend.“

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