Bouvier liest...

... weil er ein musischer Nerd ist!

Tag: 6. Juli 2018

Das zertretene Herz

(Soundtrack zum Post: Alicia Keys – Try sleeping with a broken heart)

Sie hatte ihn verlassen, so viel stand fest. Oder jedenfalls hatte er es so zu akzeptieren. Sie lebte nun woanders. Er hatte ihr unmissverständlich klar gemacht, dass er es nicht länger etrage, wenn sie ihrem Neuen schreibe, ihm auf der Straße zu winke oder in ihrem ehemalig gemeinsamen Heim wie ein Geist herumschwirre, der in Gedanken nur seiner Verliebtheit für ihn nachhängt. Sie möge gehen und sich klar werden, was sie wollte, hatte er ihr respektvoll zu Verstehen gegeben.

So saß er nun, allein, im Halbdunkel der winterlichen Abenddämmerung auf dem Sofa, das einst Zeuge vieler liebevoller Spielereien zwischen ihnen gewesen war. Alles war ruhig, kein Knistern, kein Verkehrslärm von der Straße, nicht einmal sein eigenes Atmen konnt er hören. Die Zeit verstrich gleichgültig und zäh. Keine neue Sekunde, Minute oder Stunde hatte eine Bedeutung: Wozu auch? Was soll schon noch Neues passieren? Nichts, das er sich in seinem gebrochenem Herzen ausmalte, vermochte es, seine Einsamkeit, seine zerstörte Illusion von lebenslanger Zweisamkeit auszugleichen oder wenigstens zu lindern.

Doch plötzlich!

Durch die dunkle Stille des Raumes, schneidet sich das scharfe, respektlose Klingeln seines Telefons. Sie ruft an! Was will sie? Hat sie gespürt, wie sehr ich sie vermisse? Hat sie vielleicht erkannt, dass sie auch ohne mich nicht leben kann und will? Die bange Hoffnung und die trotzdem stärkere Angst vor noch schlimmeren Hiobsbotschaften, lassen sein Herz wie einen schweren Klotz, den man auf dünne, in der Luft hängende Styroporplatten fallen lässt, drei Etagen tiefer plumpsen. Grauenvoll! Und doch: vielleicht ist ein wenig Hoffnung doch noch gerechtfertigt…

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Die Mutter – Kapitel 7

Diese sonnabendlichen Zusammenkünfte werden allmählich zur Routine der Beteiligten und „jedes Zusammensein glich einer Stufe auf einer langen, schrägen Leiter, die irgendwohin in die Ferne führte und die Menschen langsam emportrug.“

Über Natascha erfahren wir, dass ihr Vater und Bruder sehr rohe Menschen sind und ihre Schwester unglücklich mit einem älteren Mann verheiratet ist. Ihre Mutter scheint der Wlassowa sehr ähnlich zu sein, denn sie lebt ebenfalls in ständiger Angst vor allem.

Pawel entwickelt sich während dieser Treffen zu einem leidenschaftlichen Redner, der Mutter fällt dabei auf, dass er jedoch gegenüber Natascha milder und freundlicher ist.

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Die Mutter – Kapitel 8

Während die Wlassowa eines Tages in der Vorstadt unterwegs ist ,wird sie von mehreren Leuten auf die zu Gerüchten Anlass gebenden Vorgänge in ihrem Hause angesprochen.

Da ist zum Einen der alt-ehrwürdige Gastwirt Begunzow, der ihr sagt: „Alles, was der Mensch vor anderen Menschen nicht zu sagen traut – was ist das? Das sind Geheimnisse! Für Geheimnisse aber ist nur unsere heilige apostolische Kirche der Ort. Alle anderen Geheimnisse, die sich in den Winkeln vollziehen, sind Verirrungen des Geistes!“

Zum Anderen ist da die Nachbarin der Wlassowa, Marja Korsunowa, die ihr von „bösen Gerüchten“ über ihren Sohn berichtet: „Er soll eine Gesellschaft in der Art der Chlysten gegründet haben. Man nennt das Sekte!“

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Die Mutter – Kapitel 9

Sie Sozialisten beginnen damit, jeden Montag Flugblätter in der Vorstadt zu verteilen, was auf ein geteiltes Echo stößt: Unmut bei den Ältern, Begeisterung bei den Jüngeren und dumpfe Gleichgültigkeit bei der von Arbeit abgestumpften Mehrheit.

Die Flugblätter führen dazu, dass Offiziere der Obrigkeit Hausdurchsuchungen und Befragungen in der Vorstadt anstellen, was die Mutter in helle Aufregung versetzt. Panisch läuft sie zum Haus von Fedja Masin, der krank war und nicht arbeitete, um ihm von den Durchsuchungen zu erzählen, er aber schickt sie wieder nach Hause, obgleich er selbst beunruhigt scheint.

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