Handlungszusammenfassung

Anne bleibt weiterhin Zeuge der Liebeskomödie der vier Rivalen Wentworth, Hayter, Louisa und Henrietta. Wentworth genießt die Aufmerksamkeit beider Damen, Hayter zieht sich zurück, Henriette schwankt zwischen beiden Männen und Louisa hat nur Augen für Frederick.

Eines anderen Morgens spazieren die Musgrove Töchter allein an Klein-Uppercross vorbei und laden Mary und Anne mehr oder weniger freiwillig zum Mitkommen ein. Zufällig stoßen auch Charles Musgrove und Frederick dazu, die gerade von einer unglücklichen Jagd zurückkehren. Gemeinsam spazieren sie also los.

Henrietta und Louisa scheinen die Richtung des Sparziergangs vorzugeben und landen, für Mary überraschend, in Winthrop, dem Familienssitz der Hayters. Nach kurzer, eindringlicher Unterredung zwischen den Musgrove Töchtern wird entschieden, dass Charles und Henrietta Musgrove der Familie ihrer Tante einen Besuch abstatten sollen.

Währenddessen bleiben die anderen wartend zurück und Frederick und Louisa spazieren ein paar Meter allein hinter eine Haselhecke und werden dabei unbeabsichtigterweise von Anne belauscht. Louisa deutet an, dass sie ihre Schwester streng dazu angehalten hat, sich an ihr Verlöbnis-Versprechen Charles Hayter gegenüber zu halten. Sie rühmt sich ihrer eigenen Willensstärke und Entschlossenheit, die Frederick im Gegenzug besonders lobt. Damit urteilt er indirekt über Annes Charakter und ihr Verhalten im Jahre 1806, was Anne nur zu sehr spürt.

Kurz darauf kehrt Henriette mit Charles Hayter und ihrem Bruder wieder zu den anderen zurück, worauf sich die Gesellschaft auf den Heimweg begibt; die Aufteilung Henrietta für Hayter und Louisa für Wentworth scheint ausgemachte Sache.

An einer Wegkreuzung begegnet die Gruppe den vorüberfahrenden Crofts, die anbieten, die müdeste der Damen in ihrer Gig nach Uppercross zu bringen. Alle lehnen dankend ab, jedoch erkennt Frederick Annes Müdigkeit. Er heißt sie sachte sowie wortlos in den und hebt sie vorsichtig auf den Wagen, auf dem Anne in Gedanken versunken neben den Crofts den Rest des Heimweges zurücklegt.

Was lernen wir über die Charaktere?

Charles Hayter räumt angesichts der Aussichtslosigkeit seines Werbens das Feld und zieht sich aus Uppecross zurück, was Anne für eine kluge Entscheidung hält. Nachdem Henrietta allerdings persönlich auf Winthrop vorspricht und wohl ihre Absicht, sich an ihr Verlöbnis zu halten, deutlich macht, kehrt er gern wieder in den angestammten Kreis zurück, dieses Mal allerdings unter geklärteren Verhältnissen.

Henrietta Musgrove wurde augenscheinlich von ihrer Schwester Louisa dazu bekehrt, sich an ihr Verlöbnis mit Hayter zu erinnern und sich dazu zu bekennen. Der Spaziergang, zu dem sie dann schlussendlich zu sechst aufbrechen, diente ursprünglich dem Zweck, in Winthrop vorzusprechen. Sobald allerdings der Herrensitz der Hayters ins Sichtweite gelangt und Mary vorschlägt, doch sofort wieder umzukehren, ist Henrietta nur zu sehr geneigt, eben genau dies zu tun. Wieder erst Louisas Nachdruck ist es, der sie schließlich dazu bringt, den Hayters einen Besuch abzustatten. Als sie daraufhin gemeinsam mit Charles Hayter zurückkehrt, der sehr vergnügt (‚exceedingly happy‘) scheint, machte Henrietta den Eindruck, als „schäme sie sich trotz ihrer Zufriedenheit ein wenig. (‚a little ashamed, but still very pleased‘)“.

Louisa Musgrove scheint entschlossen zu sein, Wentworth für sich zu gewinnen. Daher auch aus eigenem Interesse erinnert sie ihre Schwester an deren Neigung für Charles Hayter und das implizite Versprechen, das sie ihm gab. Louisas Behaarlichkeit ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass die beiden Schwestern eines Morgens nach Winthrop aufbrechen, um Hayter von Henriettas Aufrichtigkeit zu überzeugen. Nicht zuletzt kurz vor Winthrop, wo sie Henrietta noch einmal den letzten Schub in Richtung Charles Hayter gibt, ist Louisas Entschlossenheit zu spüren. Besonders im Gespräch mit Wentworth betont sie ihre Willensstärke: „Wenn ich einen Mann liebte, wie Mrs. Croft den Admiral, dann würde ich immer bei ihm bleiben, und nichts könnte uns trennen! Lieber ließe ich mich von ihm umwerfen, als von einem anderen ungefährdet kutschieren.“ – – Louisa ist es auch, die bei Mary vom „Elliot-Stolz“ spricht, der sich wohl auch bei Anne gezeigt habe, als sie Charles Musgroves Antrag ausschlug. Sie spekuliert weiterhin, dass Anne wohl von Lady Russell dazu überredet wurde, den Antrag auszuschlagen.

Mary Musgrove scheint wieder einmal völlig entrückt von den Absichten und Gefühlen der sie umgebenden Personen. Zum Einen ist sie der Ansicht, Hayter hätte sich zurückgezogen, weil Henrietta ihm eine Absage erteilt hätte, zum Anderen ist sie tatsächlich der Meinung, die Musgrove Töchter wären des Morgens extra zu ihr gekommen, um sie zum Spaziergang einzuladen und sie könne nun unmöglich ausschlagen, weil ihnen, den Musgrove Töchtern, das dann „unangenehm“ wäre. — Als die Sechersgruppe auf Winthrop ankommt, macht Mary mit ihrem Verhalten und ihren Äußerungen unmissverständlich klar, was sie von der Familie Hayter hält. Zu Wentworth meint sie, nachdem sie einen Besuch rigoros abgelehnt hatte, obwohl sie behauptete, sehr müde zu sein: „Solch eine Verwandtschaft ist sehr unerfreulich! Aber ich versichere Ihnen, ich war nicht mehr als zweimal in diesem Hause“.

Frederick Wentworth zeigt im Gespräch mit Louisa, wie sehr er von Louisas Entschlossenheit beeindruckt ist, er „bewundert“ sie dafür. Als er und Louisa Musgrove gemeinsam hinter einer Haselhecke nach Nüssen suchen hält er eine ausführliche Rede über wankelmütige Charaktere: „Es ist das schlimmste Übel, allzu nachgiebiger und unentschlossener Charaktere, dass man die Wirkung anderer Einflüsse nicht berechnen kann. Nie ist man sicher, ob ein einmal gewonner Eindruck Bestand hat.“ Er appeliert an Louisa, sie möge an ihrer „jetzigen geistigen Kraft festhalten, wenn sie im Winter ihres Lebens schön und glücklich sein will.“ — Für Mary und ihre Meinung über die Hayters hat er nur Verachtung übrig: „Er antwortete nur mit einem erzwungenen, zustimmenden Lächeln und warf ihr (Mary), bevor er sich abwandte, einen verächtlichen Blick zu.“ — Frederick ist es, dem Annes Müdigkeit auf dem Rückweg nach Uppercross auffällt und nicht gleichgültig ist. Er ist es auch, der sich in Absprache mit seiner Schwester Mrs. Croft dafür einsetzt, dass Anne als Dritte in der Gig mitfährt. Schließlich ist er ihr sogar vorsichtig dabei behilflich, in die Kutsche zu steigen.

Anne Elliot fühlt sich während des Spazierganges nach Winthrop wie das fünfte Rad am Wagen. Um den Spielereien zwischen Frederick und den Musgrove Töchtern nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, versucht sie sich mit der Natur und ihrer lyrischen Repräsentation durch Gedichte und Sonette abzulenken: „Ihre Freude an dem Spaziergang verdankte sie dem Wandern an sich, dem prächtigen Tag und dem letzten Lächeln des Jahres auf den braunen Blättern und verwelkten Hecken sowie der Erinnerung an einige dichterische Herbstschilderungen.“ Sie redet de facto den ganzen Spaziergang über nicht und wird auch in kein Gespräch involviert. Stattdessen hört sie mit an wie Louisa und Frederick sich immer näher kommen, Fredericks Auslassung über Wankelmütigkeit und wie Louisa sie, weil Anne Charles‘ Antrag abgelehnt hat, gegenüber Wentworth des Elliot-Stolzes bezichtigt. Anne ist vom Spaziergang, von den Eindrücken und wahrscheinlich mehr noch vom Gehörten tatsächlich sehr müde und lehnt die Einladung der Crofts zur Mitfahrt in der Kutsche nur instinktiv ab. Als sie jedoch realisiert, dass sie es aber Fredericks Entschluss, ihr Ruhe zu gönnen, zu verdanken hat, die letzte Meile nach Uppercross nicht zu Fuß zurücklegen zu müssen, ist sie tief beeindruckt von ihm und dankbar.

Begriffe (deutsch & englisch)

willfahren: jemandes Bitte entsprechen (Quelle)

fatigue: Erschöpfung

minutiae: kleine, unbedeutende Details (Quelle)

brethren: altes, englisches Wort für Brüder

„spread a little more canvas“: Seemannsbegriff dafür, etwas mehr Segel herunterzulassen, um das Schiff zu beschleunigen

Charakteristische Wendungen

Über Anne: „Das sprichwörtliche Schicksal des Horchers war ihr zwar nicht im ganzen Umfang zuteil geworden – sie hatte keine schlechte Meinung über sich erlauscht! Aber viel Schmerzliches war ihr zu Ohren gekommen. Sie hatte erfahren, wie Kapitän Wentworth ihren Charakter beurteilte, der soviel Empfinden und Neugier für sie bewiesen hatte, dass es sie in äußerste Erregung versetzen musste.“

„Er (Frederick) konnte ihr (Anne) nicht verzeihen; aber er konnte auch nicht gefühllos sein. Obgleich er sie um der Vergangenheit willen verurteilte und diese mit äußerster und ungerechter Abneigung betrachtete, obwohl er sich nicht im geringsten um sie kümmerte, sondern sich einer anderen zuneigte, mochte er sie doch nicht leiden sehen, ohne ihr zu helfen. (‚He could not forgive her, but he could not be unfeeling. Though condemning her for the past, and considering it with high and unjust resentment, though perfectly careless of her, and though becoming attached to another, still he could not see her suffer, without the desire of giving er relief.‘)“.