Handlungszusammenfassung

Das Kapitel beginnt mit den Überlegungen Mr. Sheperds und Lady Russells, wie den finanziellen Problemen des Hauses Sir Walter Elliot beizukommen wäre. Mr. Sheperd, dessen Tochter Mrs. Clay aus erster unglücklicher Ehe zwei Kinder zu versorgen hat und inzwischen wieder bei ihrem Vater wohnt, ist der Meinung, Lady Russell möge die Einschränkungen vorschlagen, die auf Kellynch Hall vonnöten sind.

Die akribische Lady Russell, die wider eigenen Verstand und Vernunft auf die Würde und das Ansehen eines Barons große Rücksicht nehmen möchte, zieht Anne ins Vertrauen, um mit ihr die Erarbeitung der Einschränkungen vorzunehmen. Annes Vorschläge sind sehr radikal und ziehen stets die finanzielle Redlichkeit den Erfordernissen von strahlendem äußerem Schein vor, woraufhin Lady Russel die Vorschläge erheblich abmildert und sie in dieser Version den Betroffenen unterbreitet.

Wie erwartet bedeutet jede noch so kleine Einschränkung ein erhebliches Opfer für das Familienoberhaupt, was Anne zu der Feststellung veranlasst, dass auch ihre schärfere Version der Mäßigungen hätte unterbereitet werden können und nur mit geringfügig mehr Opfertheatralik akzeptiert worden wäre.

Die größte Einschränkung ist ein Umzug der Familie in das 50 Meilen von Kellynch Hall entfernt liegende Bath, ein Ort, mit dem Anne schlechte Erinnerungen verbindet, den allerdings Lady Russell gut dafür geeignet hält, Anne aus ihrer Trübseligkeit zu helfen. Darüber hinaus erhofft sich Lady Russell von dieser Maßnahme eine Distanzierung Elisabeths von ihrer Wahlvertrauten Mrs. Clay, die die Lady für höchst ungünstig hält. Anne hätte ein kleines, ruhiges Landhaus in der Nähe von Kellynch Hall bevorzugt, was ihr allerdings von Lady Russell ausgeredet wird.

Des Weiteren beabsichtigt Mr. Sheperd, Kellynch Hall zu vermieten, um die geplanten 7 Jahre bis zur Schuldenfreiheit Sir Walter Elliots halten zu können.

Was lernen wir über die Charaktere?

Mr. Shepherd ist ein Makler (“agent”) oder Rechtsanwalt von Sir Elliot, der sich um geschäftliche Dinge für seinen Klienten kümmert. Er bevorzugt es, Lady Russell die unangenehmen Einschränkungsvorschläge vorzutragen und hält sich dabei lieber im Hintergrund.

Mrs. Clay ist die Tochter Shepherds und eine “kluge, junge Frau, dich sich ungewöhnlich auf die Kunst zu gefallen verstand” (“the art of pleasing – the art of pleasing, at least, at Kellynch Hall”). Sie wohnt nach einer gescheiterten Ehe mit ihren Kindern inzwischen wieder bei ihrem Vater und pflegt eine enge Freundschaft mit Elisabeth. Wir lernen, dass diese Freundschaft, durch ein “Anbiedern” Mrs. Clays zustande kam und diese bei Elliots nur regelmäßig ein- und ausgeht.

Lady Russell ist eine gesetzte, kultivierte und wohlhabende Dame, die Titeln und Ahnentafeln viel Respekt zollt. Sie sieht die Notwendigkeit der radikalen Einschnitte in der Lebensweise der Elliots, stellt ihr aber eine Mindestmaß an Würde und Repräsentanz eines Barons gegenüber und unterbreitet Sir Elliot somit nur verhältnismäßig milde Einschränkungsvorschläge. “Und wenn man auch auf die Gefühle eines Edelmanns und Familienoberhauptes Rücksicht nehmen muss, so schuldet man doch dem Charakter eines ehrlichen Menschen noch mehr”.

Anne Elliot, die von Oberflächlichkeiten und repräsentativem Pomp nichts hält, erarbeitet zusammen mit Lady Russell Vorschläge zur finanziellen Rehabilitation der Familie, wird jedoch von ihr gebremst. “Ihr [Anne] erschien es eine unumgängliche Pflicht, alle Ansprüche der Gläubiger so schnell zu befriedigen, wie es die umfassendsten Einschränkungen gestatteten. Alles andere dünkte ihr unwürdig”.

Sir Walter Elliot empfindet die vorgeschlagenen Sparmaßnahmen als “unanehmbar und unerträglich” (“not to be put up with, not to be borne”). Er würde lieber Kellynch Hall ganz verlassen, als unter diesen “schändlichen” Bedingungen dort weiterzuleben.

Elisabeth Elliot / Miss Elliot ist ihrer Freundschaft mit Mrs. Clay inzwischen überdrüssig, widersetzt sich aber weiterhin allen guten Ratschläge Lady Russells gegen diese Freundschaft. Überhaupt besteht die Beziehung zu ihrer Patentante nur aus den “unumgänglichsten Höflichkeiten”, während sie jeden weiteren wohlgemeinten Hinweis abweist oder ignoriert.

Begriffe (deutsch & englisch)

complaisance: Höflichkeit, Zuvorkommeheit

inclination: Neigung, Hang zu etw.

Anbiedern: sich auf primitive Art einschmeicheln

Charakteristische Wendungen / Sätze (deutsch & englisch) / Orte

“Wie sie [Anne] ihren Vater und Elisabeth kannte, würde das Opfer eines Pferdegespannes ihnen kaum weniger schmerzllich sein als der Verlust beider Gespanne. Und so ging es bei jedem Posten der von Lady Russell vorgeschlagenen, allzu sanften Einschränkungen (“too gentle reductions”).”

“Aber Anne bliebe ihr gewöhnliches Schicksal vorbehalten, und das Gegenteil ihrer Wünsche wurde ihr aufgezwungen. Sie liebte Bath nicht und glaubte, es bekäme ihr nicht – und Bath sollte ihre neue Heimat werden.”

“Lady Russells Einfluss auf Elisabeth war gering, und sie schien Elisabeth mehr um des Liebens willen als an sich zu lieben”. (“Lady Russell, indeed, hat scarcely any influence with Elisabeth, and seemed to love her, rather because she would love her, than because Elisabeth deserved it”).