Handlungszusammenfassung

Das erste Vor-Ort-Treffen zwischen den neuen Mietern Mr. und Mrs. Croft sowie den Eigentümern von Kellynch Hall verläuft sehr freundlich. Alle Angelegenheiten befinden sich in für beide Seiten gewünschtem Zustand, sodass die Übersiedlung der Elliots nach Bath alsbald geschehen kann.

Anne jedoch wird von ihrer jüngeren Schwester Mary, die wieder einmal unpässlich ist, nach Uppercross gerufen und es wird vereinbart, dass Lady Russell Anne nach Bath mitbringt, sobald sie selbst dorthin aufbricht.

Zur großen Überraschung Lady Russells, schickt sich Mrs. Clay auf ausdrücklichen Wunsch Elisabeths an, sofort mit nach Bath zu reisen, um der ältesten Miss Elliot in allen zukünftigen Belangen beratend zur Seite zu stehen. Anne und Lady Russell hegen in dieser Hinsicht einen delikaten Verdacht in Richtung Sir Elliot, den Anne ihrer älteren Schwester gegenüber auch äußert, jedoch von der schroff in die Schranken gewiesen wird.

Nach Annes Ankunft in Uppercross und einem kurzen „Genesungsgespräch“ zwischen Mary und ihr beschließen beide, sich ins Haus der Familie Musgrove zu begeben, in dem sie dann auch herzlich empfangen werden. Das Kapitel endet, als die gesamte Gesellschaft sich zu einem gemeinsamen Spaziergang aufmacht.

Was lernen wir über die Charaktere?

Sir Elliot läßt sich trotz seiner Vorurteile gegenüber Seemännern zu dem „Kompliment“ hinreißen, dass er sich mit Mr. Croft sogar in der Öffentlichkeit sehen lassen könnte, wenn „sein (Sir Elliots) Kammerdiener ihm (Mr. Croft) die Frisur machen würde“.

Mr. Croft komplimentiert Sir Elliot im Gegenzug so, dass er zwar „das Pulver nicht erfunden habe, aber trotzdem nicht ganz uneben zu sein scheint“ (He „will never set the Thames on fire, but there seems to be no harm in him“).

Lady Russell ist besonders schockiert darüber, dass Sir Elliot und seine ältere Tochter Elisabeth es bevorzugen, Mrs. Clay für die erste Reise nach Bath mitzunehmen, um ihnen bei der Auswahl ihres neuen Hauses behilflich zu sein. Darüber hinaus sieht sie wie Anne eine Bedrohung für den guten Ruf der Familie darin, dass eine geschiedene Frau wie Mrs. Clay sich stets in Gesellschaft eines verwitweten Mannes befindet.

Anne Elliot ist an Kränkung durch Elisabeth und ihren Vater gewöhnt und empfindet die Bevorzugung Mrs. Clay nicht mehr so stark wie ihre Patentante Lady Russell. Sie ist im Gegenteil sogar erfreut darüber, die nächsten zwei Monate bei ihrer kleinen Schwester Mary auf dem Lande in Uppercross verbringen zu dürfen. Anne fühlt sich dazu verpflichtet, Elisabeth auf die Wirkung, die ein gemeinsames Auftreten Sir Elliots und Mrs. Clays in der Öffentlichkeit, haben muss aufmerksam zu machen, obwohl sie die auf unbegründet eingebildeter Überlegenheit basierende Antwort bereits erahnt. Durch die tiefe Kenntnis des Charakters ihres Vaters weiß sie, dass „es wohl keinen körperlichen Fehler gibt, mit dem uns ein angenehmes Wesen nicht allmählich aussöhnen könnte“ („There is hardly any personal defect, which an agreeable manner might not gradually reconcile to“).

Mary Musgrove hat sich daran gewöhnt, immer nach Ihrer Schwester Anne zu verlangen, sobald sie sich das kleinste Bischen unwohl fühlt. Sie käme ohne Anne nicht zurecht, meint sie. „Solange es ihr (Mary) gut ging, solange sie glücklich war und man sich um sie bemühte, hatte sie ausgezeichnete Laune; aber jede Unpäßlichkeit bedrückte sie; gegen Einsamkeit besaß sie keinerlei Rückhalt, und da sie über einen guten Teil Elliotscher Überheblichkeit (‚Elliot self-importance‘) verfügte neigte sie sehr dazu, jeden Kummer durch die Einbildung zu erhöhen, vernachlässigt und schlecht behandelt zu werden. Äußerlich konnte sie sich selbst in ihrer Blütezeit mit beiden Schwestern nicht messen (‚even in her bloom, only reached the dignity of being a fine girl‘).“ Eine Geringschätzung und Ignoranz gegenüber Anne wird bei ihr deutlich, wenn sie bemerkt: „Du lieber Himmel! Was hast DU wohl schon zu tun?“

Elisabeth Elliot findet es angemessen, sich, nachdem Mary ihre Schwester Anne für sich angefordert hat, zu der Aussage hinreissen zu lassen, dass Anne doch wohl in Uppercross aufgehoben wäre, weil „sie in Bath niemand braucht“ („because nobody wants her in Bath“). Auf Annes Warnung bezüglich der Absichten Mrs. Clays hin antwortet Elisabeth pikiert, dass sich Mrs. Clay ihrer Nicht-Adligkeit sehr wohl bewusst wäre und dies respektiere; Mrs. Clay stelle keine Bedrohung dar, weil sie einfach nicht hübsch ist; nur wenn sie hübsch wäre ergäbe sich vielleicht ein Unrecht, das beachtet werden müsse. Anne wird klar in ihre Schranken gewiesen: „Ein angenehmes Wesen kann zwar ein hübsches Gesicht hervorheben, aber nie ein häßliches verwandeln. Auf jeden Fall kann ich über diesen Punkt besser urteilen als irgendein anderer und finde deinen Rat recht unnötig“ („an agreeable manner may set off handsome features, but can never alter plain ones. However, at any rate,  as I have a great deal more at stake on this point than anybody else can have, I think it rather unnecessary in you to be advising me“).

Mrs. Clay hat „Sommersprossen, einen vorstehenden Zahn und plumpe Handgelenke, worüber er (Sir Elliot) in ihrer Abwesenheit ständig bissige Bemerkungen machte; aber sie war jung und eigentlich recht hübsch, in ihrem scharfen Geist und eifrigen Gebaren lagen gewiß unendlich gefährlichere Reize als in ihrer Person. (‚an acute mind and assidious pleasing manners‘)“

Familie Musgrove besteht aus Mr. und Mrs. Musgrove, Charles jr. und den Töchtern Henrietta und Louisa. Great-Uppercross, der Herrensitz der Familie, befand sich „in einem Zustand des Wandels, vielleicht der Entwicklung. Die Eltern gehörten der alten Zeit an, die jungen Leute der neuen. Mr. und Mrs. Musgrove waren nette Menschen, freundlich und gastfrei, nicht sehr gescheit und keineswegs elegant“. Henriette und Louisa, neunzehn- und zwanzigjährig und von Mary als dick beschrieben, haben von „Exter den üblichen Schatz an Vollkommenheiten (‚the usual stock of accomplishments‘) mitgebracht und jetzt, tausend anderen jungen Damen gleich, ihren Daseinszweck darin, elegant, glücklich und vergnügt zu sein.“

Besondere Begriffe (deutsch & englisch)

Michaeli: der 29. September, ein kirchlicher Feiertag (Quelle)

assidious: eifrig; aber hier eher in der alten Bedeutung aus dem 18. Jahrhundert als untewürfig (Quelle); Besonders als Wortgruppe „assidious pleasing manners“ wird die Art Mrs. Clays sehr gut dargestellt; besser als die Wendung „eifriges Gebahren“

Exeter School: eine alte, traditionsreiche Schule, die im Jahre 1633 gegründet wurde (ohne Gewähr!; Quelle)

Charakteristische Wendungen

Uppercross: „ein Dorf mittlerer Größe, das bis vor wenigen Jahren noch ganz im altenglischen Stil gehalten“ war; Nur zwei Häuser überragten die Behausungen der Bauern und Tagelöhner: das Herrenhaus mit seinen hohen Mauern, großen Toren und alten Bäumen, wuchtig und nicht modernisiert – und inmitten eines sauberen Gartens das gedrungene feste Pastorat, dessen Fenster Wein und Spalierbirnen umrahmten. Bei der Heirat des jungen Herrn (Charles Musgrove jr.) war noch ein Bauernhaus in einen kleinen Herrensitz (‚farm-house elevated into a cottage‘) verwandelt worden, und Klein-Uppercross mit seiner Veranda und seinen großen Glastüren (‚french windows‘) zog das Auge des Reisenden ebenso auf sich wie das großartigere und beachtlichere, wohl eine viertel Meile entfernt liegende Groß-Uppercross (‚Great House‘).“

Mary auf die Bemerkung Annes, dass Mary doch nicht wie behauptet alleine sei, weil sie ihre beiden Kinder um sich hätte: „Ja, solange ich ihren Lärm vertragen konnte; aber sie sind so ungebärdig (‚unmanageable‘), dass sie mehr schaden als guttun. Klein Charles gehorcht überhaupt nicht und Walter wird geradeso schlimm“.

Mary über ihre Schwägerinnen, die beiden Töchter der Musgroves aus Groß-Uppercross: „I never want them, I assure you. They talk and laugh a great deal too much for me.“

„Anne betrachtete sie (die Musgrove Schwestern) als die glücklichsten Wesen ihrer Bekanntschaft; und dennoch hätte sie ihren eigenen beweglicheren und kultivierteren Geist nicht gegen all ihre Vergnügungen eingetauscht, aus jenem Gefühl der Überlegenheit heraus, das uns alle vor dem Wunsch vor einem Wechsel bewahrt. Sie neidete ihnen nichts als höchstens ihr friedliches Zusammenleben (’seemingly perfect good understanding and agreement together‘), die gutmütige gegenseitige Liebe, der sie selbst bei ihren Schwestern so selten begegnet war.“