Handlungszusammenfassung

Dieses Kapitel steht ganz im Zeichen der Familie Musgrove aus Uppercross. Anne bemerkt, dass die Probleme, die die Elliot Familie in der letzten Zeit beschäftigten, in Uppercross nicht nur vollkommen irrelevant sind, sondern dass selbst die Anteilnahme daran über eine erzwungene, oberflächliche Höflichkeit nicht hinauskommt. Die Familie ist in sich geschlossen und Anne sieht ein, dass sie sich für die nächsten zwei Monate an diese Sphäre anpassen muss.

Anne wird in der Folge regelmäßig als Vermittlerin zwischen der Familie Musgrove und ihrer Schwester missbraucht. So kommt es zu Begebenheiten, bei denen Charles oder Mary Anne getrennt voneinander darum bitten, doch bei dem jeweils anderen ein gutes Wort einzulegen oder positiv auf dessen Verhalten einzuwirken. Auf ähnliche Weise erfährt Anne von den Spannungen in der Beziehung zwischen Mrs. Musgrove und ihrer Schwester, die sich unter anderem aus dem Standesunterschied ergeben.

Abgesehen von diesen kleinen Familienzwistigkeiten verläuft der Aufenthalt in Uppercross für Anne sehr gesellig und angenehm. Abends wird oft getanzt und musiziert, wobei Anne wieder vor Augen geführt wird, dass sie sich in der Musik seit dem Tod ihrer Mutter stets einsam fühlt.

An Michaeli ist es dann endlich soweit, dass die Crofts mit seemännischer Eilfertigkeit (‚true naval alertness‘) in Kellynch Hall Einzug halten und die gegenseitigen Höflichkeitsbesuche anstehen. Bei einem dieser Besuche der Crofts in Klein-Uppercross entspannt sich ein Gespräch zwischen Anne und Mrs. Croft, in dem die Brüder der Mrs. thematisiert werden. Zum Einen erfahren wir, dass Eduard, der Geistliche von Monkfold, inzwischen verheiratet ist und Frederick Wentworth erst kürzlich wieder nach England zurückgekehrt ist.

In diesem Zusammenhang lernen wir auch, dass ein verstorbener Sohn der Musgroves namens Richard (Dick) Musgrove, ein ausgesprochener Taugenichts, auf der Fregatte „Lakonia“ unter Kapitän Frederick Wentworth gedient hat. Die Aussicht auf eine Begegnung mit Wentworth erinnert Mrs. Musgrove wieder daran, dass die Familie den inzwischen verstorbenen „Dick“ verstoßen hatte, und ließ sie wehmütig werden, ein Gemütszustand, der auch auf Mr. Musgrove überging. Man entschloss sich, Kapitän Wentworth aufzuwarten sobald er in Kellynch ankam, was für Anne die schwere Aufgabe bedeutete, sich und ihre wieder schwelenden Gefühle bis dahin unter Kontrolle zu bringen.

Was lernen wir über die Charaktere?

Charles Musgrove ist „höflich und freundlich, in Geist und Laune seiner Frau (Mary) zweifellos überlegen, doch nicht an Einfluss, Redegewandtheit und Charme“. Es ist ihm nicht anzumerken, dass er einst Anne hofierte und von ihr abgelehnt wurde. „Er betrieb nur den Sport mit wirklichem Eifer und vegeudete seine übrige Zeit, ohne aus aus Büchern oder sonstigen Dingen Nutzen zu ziehen“. Er erträgt Marys Unvernunft zu Annes „vollster Bewunderung“. Charles ist der Meinung, er käme mit seinen Kindern ganz gut fertig werden, wenn „Mary sich nicht immer einmischen wollte“.

Mary Musgrove scheint mit ihren beiden Kindern überfordert. Sie ist der Meinung, dass sie „keine Zucht“ in ihre Söhne zu bringen vermag, weil „Charles die Kinder verwöhnt“. Nicht nur ihr Mann, sondern auch Mrs. Musgrove, ihre Schwiegermama, „verwöhnt und verzärtelt die Kleinen übermäßig, gibt ihnen so viel Kuchen und Süßigkeiten, dass sie krank und übellaunig zurückkommen.“ Des Weiteren ist Mary der Meinung der alte Mr. Musgrove wäre zu knauserig mit finanzieller Zuwendung ihr und ihrem Mann gegenüber und Charles selbst nähme ihre Wehwechen nicht ernst genug. Als Frau aus adliger Familie beklagt Mary, dass Mrs. Musgrove ihr nicht genügend Vortritt lasse, wenn sie mit anderen Familien speisten.

Mrs. Musgrove ist eine aufmerksame Großmama, die sich wünscht, dass Mary etwas mehr von Annes Art hätte, die aus ihren Enkelkindern so ganz „andere Wesen“ macht. Bei Mary hat sie den Eindruck, ihre eigenen Kinder wären ihr manchmal lästig. Des Weiteren hält sie Marys KIndermädchen für nicht ganz geheuer und hofft, dass Anne ihre guten Einfluss auf ihre Schwester im positiven Sinne ausnutzt. Mrs. Musgrove wie ihr Mann ist sehr stolz auf ihre Kinder und ermuntert und lobt sie zu jeder Gelegenheit. Umso schwerer wiegt bei beiden Elternteilen die Erinnerung an den verstoßenen und verstorbenen Sohn Richard Musgrove. Es wird deutlich, dass sie sich, als er auf der renommierten „Lakonia“ unter Kapitän Wentworth diente, bereits nicht einmal mehr für seine Briefe interessierten.

Mrs. Croft ist von „vierschrötiger (’squareness‘), aufrechter (‚uprightness‘), kräftiger und gewichtiger Gestalt. Sie hatte klare, dunkle Augen, gute Zähne und ein recht angenehmes Gesicht, obgleich ihre gerötete und abgehärtete Haut (‚weather-beaten complexion‘) den Eindruck erweckte, als habe sie etliche Jahre länger als ihre achtunddreißig auf dieser Erde gewandelt. Ihr Wesen war offen, unbefangen und gleichzeitig entschlossen. Sie verriet das Selbstvertrauen jemandes, der weiß, was zu tun ist“. Sie nimmt in ihrem Gespräch mit Anne sehr sensibel Rücksicht auf alles, was Kellynch Hall betreffen könnte, um Anne nicht aus Versehen vor den Kopf zu stoßen.

Frederick Wentworth hat es geschafft, den nichtsnützigen Richard Musgrove dazu zu bewegen, die einzigen beiden Briefe an seine Eltern zu schreiben, die er jemals in verfasst hast. Als Mensch hat er also anscheinend Einfluss und Charisma, aber ist lt. „Dick“ auch etwas „schulmeisterlich (‚peculiar about the schoolmaster‘)“. Kaum zurück von seinem Kommando auf See scheint es ihn direkt zurück nach Kellynch zu treiben.

Anne Elliot freut sich sehr auf die zwei Monate in Uppercross, weil der Umgang mit den Musgroves für sie bereits angenehme Gewohnheit geworden ist. Sie freut sich für die beiden Musgrove-Töcher über die elterliche Anerkennung, die ihnen wiederfährt, und steht auf gutem Fuße mit ihrer Schwester, ihrem Schwager und ihren Neffen, „who loved her nearly as well, and respected her a great deal more than her mother“. Im Gespräch mit Mrs. Croft scheint sie in deren Habitus eine Ähnlichkeit mit Frederick zu suchen. Durch die Erwähnung von Richard Musgrove, der folgenden Niedergeschlagenheit seiner Eltern, der daraus resultierenden Thematisierung des Verhaltens und der wahrscheinlich baldigen Ankunft Kapitän Wentworths in Uppercross, sowie durch die unmittelbare Nähe zu seiner Schwester, ergibt sich eine „neue Art von Prüfung (‚a trial to Anne’s nervers‘)“ für Anne. Sie kämpft fortan darum, gegen „diese Dinge unempfindlich (‚inure herself‘)“ zu werden.

Begriffe (deutsch & englisch)

asunder: getrennt von einander; (’spent an evening asunder‘)

vierschrötig: von breiter, gedrungener Gestalt (Quelle)

squareness: ‚Quadratigkeit‘; von viereckiger Gestalt

complexion: Teint, Gesichtsfarbe

to inure: abhärten

Charakteristische Wendungen

„Sie (Anne) war sich dessen wohl bewusst, mir ihrem Spiel nur sich selbst Freude zu bereiten. Aber diese Erkenntnis war nicht neu. Mit Ausnahme eines sehr kurzen Lebensabschnittes hatte sie seit dem vierzehnten Lebensjahr, seit dem Tode ihrer lieben Mutter, nie mehr das Glück genossen, dass man ihr zuhörte oder sie mit aufrichtiger Anerkennung oder wirklichem Geschmack ermunterte. In der Musik hatte sie sich stets einsam gefühlt.“