Bouvier liest...

... weil er ein musischer Nerd ist!

Autor: Vincent Bouvier (Seite 1 von 4)

Bouvier direkt!

„Ein Mann ist immer erst dann ein Mann, wenn er jeder Hure widerstehen kann!“

Leider weiß nicht, wem ich dieses Bonmot zuschreiben muss, aber ich habe es im Laufe meines Lebens einmal irgendwo aufgeschnappt und wurde schlagartig von seiner Tiefsinnigkeit quasi überrannt. Dieses Mini-Blog soll mir, neben meiner hobbymäßigen Lesedokumentation von schönen Klassikern der Literatur, die Möglichkeit geben, meine persönlichen Gedanken und Erfahrungen zu den Hürden und Stolpersteinen im Leben eines männlichen Humanoiden zum Besten zu geben; frei von der Leber weg und ungeschönt!

Im Laufe der Zeit erschließt sich dem geneigten Leser hoffentlich, warum ich dem eingangs erwähnten Leitsatz so viel tieferen Sinn zuschreibe; nur so viel: Es ist dem Mann nicht natürlich gegeben, glaube ich (Achtung! subjektive Darstellung), der gesamten Fülle an Versuchungen des weiblichen Geschlechts einfach so widerstehen zu können! Was ist also zu tun? Wie lernt man das? Monogamie ist heute en Vogue und inoffizieller Standard innerhalb einer Beziehung, wie also umsetzen?

Auf geht’s! 🙂

Die Mutter – KickOff

Maxim Gorki Die Mutter Roman

Maxim Gorki „Die Mutter“ Vorderseite des Buches

Trivia

Ich kannte den Namen Maxim Gorki nur vom Hörensagen und hatte keine Vorstellung vom Werk dieses Schriftstellers. Als ich also eines Abends in meinem Lieblingsburgerladen stand und freundlich daraufhingewiesen wurde, dass es noch ungefähr 25 Minuten dauern würde, bis ich überhaupt meine Bestellung aufgeben könne, fand ich einem Regal des Restaurants dieses Buch und sagte mir „Mensch, mal sehen, was der so schreibt!“ Der Titel „Die Mutter“ macht sehr neugierig, wie ich finde.

Fakt ist, ich wurde vom ersten Wort an in die Szenerie gesetzt und von ihr gefesselt. Die realistischen Beschreibungen, die Schwere des Alltages der Vorstädter, die hoffnungslose Ausweglosigkeit, die sich ja über Generationen ausgedehnt zu haben scheint und unüberwindbar wirkt, ist beeindruckend.

Ich glaube aber, dass mich das „Setting“ noch aus einem anderen Grund fesselt; ich, in meinem Alltags- und Arbeitsleben, pendle morgens und abends 2 Stunden von zu Hause ins Büro und wieder zurück. Die 8 Stunden dazwischen, habe ich an meinen Arbeitgeber verkauft. Meine Arbeit ist modern, die Zeiten von Schmutz und Dreck bei der Arbeit sind vorbei; Dennoch spüre ich mit Mitte 30 den Verschleiß; und ich habe, wenn ich meine Mitpendler so ansehe und interviewe, noch ein ganz angenehmes Auskommen. Aber es gibt heute viele Menschen, die genauso pendeln wie ich, aber bis zu 50% ihres Einkommens allein für die Miete aufbringen müssen oder sich ihre Miete nur mit einem Partner zusammen leisten, der sie nicht glücklich macht, und sie somit in zweierlei Abhängigkeit (Arbeitgeber/Partner) leben.

Vielleicht glaube ich auch nur, dass ich es besser habe und bin genauso arm dran. Vielleicht ist es so, dass jeder nur hofft, es irgendwann besser zu haben, aber dabei sein Leben unter Wert feil bietet. Im Buch selbst wird gleich im ersten Kapitel ein Indiz dafür genannt, woran man erkennen kann, ob einen der Beruf zu sehr einnimmt und das Leben dadurch aufzehrt: Wenn es unter den Arbeitern nur noch die Arbeit als Konversationsthema gibt und abseits dessen nur Unmut und Überschwang und Rücksichtslosigkeit der Menschen untereinander herrscht, dann ist man schon ziemlich nah am „Worst-Case“, wie die Unternehmensberater sagen.

Maxim Gorki Roman Die Mutter

Titelseite „Die Mutter“ von Maxim Gorki

So oder so: die 25 Minuten Wartezeit sind, mit einem kühlen Radler kombiniert, wie im Fluge vergangen und ich habe das Restaurant nicht nur mit Nahrung für den Körper verlassen. 🙂

Direkter Kapitelsprung

Erster Teil

Kapitel1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4  Kapitel5

Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8 Kapitel9

Anne Elliot – KickOff

Jane Austen

“Anne Elliot” oder “Die Kunst der Überredung” oder “Persuasion”

Jane Austen Anne Elliot Persuasion

Die beiden Ausgaben des Romans, auf denen meine Beiträge aufbauen

Trivia

Wie kam ich eigentlich zu dem Buch? Nun ja… Ein Arbeitskollege präsentierte eines Tages eine Kiste voller Bücher, die er und seine Verlobte aussortiert hatten und nun verschenken wollten. Neugierig wie ich bin stöberte ich direkt in dem Karton und fand die deutsche Version des Buches. Weil ich mich allerdings gerne darüber aufrege, wie schlecht doch manche Sachen aus dem Englischen übersetzt werden (vielleicht geht es manchmal ja auch nicht anders, das räume ich gern ein), habe ich mir dann direkt bei einem Online-Versandhandel eine englischsprachige Abschrift dazu bestellt. Aus diesem Grunde sind manche Passagen der folgenden Kapitel-Zusammenfassungen auch mit englischer Sprache „gesalzen“. ;

Ein Paradebeispiel für Fantasielosigkeit in der Übersetzung ist zum Beispiel die Übersetzung des Titels. Also Persuasion ist so ein schönes Wort, wenn es von einem nativen Muttersprachler ausgesprochen wird, während der deutsche Titel „Anne Elliot“ einfach nur langeweilig ist. „Die Kunst der Überredung“ ist da schon ansprechender…

Direkter Kapitelsprung

Kapitel1 Kapitel2 Kapitel3 Kapitel4

Kapitel5 Kapitel6 Kapitel7 Kapitel8

Kapitel9 Kapitel10 Kapitel11 Kapitel12

Kapitel13

Die Mutter – Kapitel 1

Die in diesem Kapitel folgende Beschreibung der Anfangsszene des Romans ist so detailreich und fesselnd, dass es eigentlich zu schade ist, sie nur teilweise oder verkürzt wiederzugeben. Dennoch:

Wir lernen das Leben der „Vorstädter“ kennen, denen eine Fabrik jeden Tag aufs Neue metaphorisch die „Kraft aus den Muskeln saugt“ und sie zum Feierabend wieder ausspeit, um sie in ein paar Stunden Trunkenheit zu entlassen, bevor sie sie am nächsten Morgen mit dem stechenden Schrill der Werksirene wieder zu sich ruft.

Wir befinden uns in der Hochzeit der Industrialisierung an der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert irgendwo in einer kleinen, russischen Vorstadt:

„Tagtäglich erklangen in der rauchigen, öligen Luft über der Arbeitervorstadt die zitternden, heulenden Töne der Fabriksirene, und ihrem Ruf gehorchend, kamen aus den kleinen grauen Häusern gleich erschreckten Küchenschaben finstere Menschen auf die Straße gelaufen, die ihre Muskeln durch Schlaf nicht hatten erfrischen können.“

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Die Mutter – Kapitel 2

Einer dieser Vorstädter ist Michail Wlassow, der mit seiner Frau und seinem Sohn Pawel in einem der kleinen Arbeiterhäuser in der Nähe der Fabrik wohnt.

Michail ist ein „mürrischer Mensch mit starkem Haarwuchs und kleinen Augen, die misstrauisch und mit ungutem, hämischen Lächeln unter dichten Brauen hervorschauten.“ Er ist grob und gewalttätig gegen alle anderen Menschen seiner Bekannschaft, inklusive seiner Familie, und hat als einzigen Gefährten einen Hund, den er zwar jeden Abend aus seiner eigenen Schüssel füttert, aber demgegenüber er sonst keinerlei Zuneigung zeigt.

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Die Mutter – Kapitel 3

Pawel lebt mit seiner Mutter nun allein in dem kleinen Arbeiterhäuschen und versucht, in die Fußstapfen seinen Vaters zu treten: „etwa vierzehn Tage nach dem Tode des Vaters kam Pawel Wlassow an einem Sonntag stark betrunken nach Hause. Taumelnd zwängte er sich auf den Ehrenplatz, schlug mit der Faust auf den Tisch, wie es der Vater getan hatte, und schrie die Mutter an: ‚Abendessen!‘“

Offensichtlich zum ersten Mal in seinem Leben betrunken lässt er sich von der zärtlichen Kraft seiner Mutter besiegen, die ihn mit Wasser und Eis zu Bett bringen will. Kurz bevor er dann entschlummern kann beantwortet er die Frage seiner Mutter, wie er sie denn als Trunkenbold ernähren wolle, mit einem trotzigen: „Alle trinken!“

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Die Mutter – Kapitel 4

„Ich möchte dich fragen“, sagte sie leise, „was du da immer liest?“

Pawel liest seit langem „verbotene Bücher. Sie sind deswegen verboten, weil sie die Wahrheit über unser Leben, das Leben der Arbeiter, sagen…“

Er führt seiner Mutter die vergangenen Arbeitsjahre vor Augen: „Du bist vierzig Jahre alt – hast du überhaupt gelebt? Der Vater hat dich geschlagen… ich verstehe jetzt, dass er an dir all seinen Kummer ausgelassen hat, den Kummer seines Lebens; der hat ihn bedrückt, aber er begriff nicht woher das kam. Er hat dreißig Jahre gearbeitet; als er anfing zu arbeiten war die Fabrik noch in zwei Gebäuden untergebracht, und jetzt sind es sieben!“ – „Was für Freuden hast du gekannt? Woran kannst du schon in deinem Leben zurückdenken?“

Der Mutter erwachen durch die feurige Rede ihres Sohnes „längst versunkene, unklare Gedanken“ und entfachen „erloschene Gefühle einer dunklen Unzufriedenheit mit dem Leben, Gedanken und Gefühle ihrer fernen Jugend.“

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