„Ich möchte dich fragen“, sagte sie leise, „was du da immer liest?“

Pawel liest seit langem „verbotene Bücher. Sie sind deswegen verboten, weil sie die Wahrheit über unser Leben, das Leben der Arbeiter, sagen…“

Er führt seiner Mutter die vergangenen Arbeitsjahre vor Augen: „Du bist vierzig Jahre alt – hast du überhaupt gelebt? Der Vater hat dich geschlagen… ich verstehe jetzt, dass er an dir all seinen Kummer ausgelassen hat, den Kummer seines Lebens; der hat ihn bedrückt, aber er begriff nicht woher das kam. Er hat dreißig Jahre gearbeitet; als er anfing zu arbeiten war die Fabrik noch in zwei Gebäuden untergebracht, und jetzt sind es sieben!“ – „Was für Freuden hast du gekannt? Woran kannst du schon in deinem Leben zurückdenken?“

Der Mutter erwachen durch die feurige Rede ihres Sohnes „längst versunkene, unklare Gedanken“ und entfachen „erloschene Gefühle einer dunklen Unzufriedenheit mit dem Leben, Gedanken und Gefühle ihrer fernen Jugend.“

Sie fragt ihren Sohn, was er nun vorhabe und er antwortet: „Lernen und dann andere lehren. Wir Arbeiter müssen erkennen, müssen begreifen, warum unser Leben so schwer ist.“

Er berichtet von Anderen, die bereits diesen Weg beschritten haben und wie „wilde Tiere eingefangen und ins Gefängnis geworfen und zur Zwangsarbeit in die Verbannung geschickt worden seien.“ Pawel bittet seine Mutter, nachdem diese feststellt, dass er in sein Verderben rennt, darum, ihn nicht daran zu hindern diesen Weg zu gehen, was sie ihm unter Tränen auch zusagt.

Obwohl sie kein richtiges Verständnis von den Dingen hat, die ihr Sohn so leidenschaftlich vertritt, kann sie ihm als liebende, lebenserfahrene Frau doch noch einen guten Rat mitgeben: „Gott mit dir! Lebe, wie du willst, ich werde dich nicht stören. Nur um eins bitte ich dich – sprich nicht so furchtlos mit den Menschen! Man muss vor den Menschen auf der Hut sein – sie hassen sich alle gegenseitig, sie sind voll Gier, voll Neid. Alle haben Freude am Bösen. Sobald du anfängst, sie anzuklagen und zu richten, werden sie dich hassen und ins Verderben stürzen.“

Er antwortet mit seiner Überzeugung, dass alle Menschen, so wie er, durch die Wahrheit aus ihrem Hass befreit werden können: „‚So wirkt die Wahrheit!‘ sagte er halblaut und nachdenklich.“