Handlungszusammenfassung

Dieses Kapitel beginnt und endet mit einer ausführlichen Erläuterung der Gründe, für Annes Reaktion auf die Erwähnung eines gewissen Mr. Wentworth.

Im zarten Alter von 19 Jahren lernte Anne Mr. Frederick Wentworth kennen; er ist der Bruder des Geistlichen von Monkfold, Vollwaise und zu dem Zeitpunkt ohne feste Anstellung. Es entwickelte sich eine heftige und intensive junge Liebe zwischen beiden, die über mehrere Monate anhielt und in einer Verlobung gipfelte.

Während Anne allerdings diese Verlobung auch ohne den Segen des Vaters hätte aufrecht erhalten können, konnte sie gegen die Einwände ihrer mütterlichen Patentante Lady Russell nichts ausrichten und ließ sich zu einer Lösung des Versprechens überreden („persuaded“).

Diese Entscheidung belastete Anne jahrelang sehr und nicht einmal das Werben eines gewissen Charles Musgrove drei Jahre später, dessen Hofierung letztendlich bei Annes jüngerer Schwester Mary von Erfolg gekrönt wurde, befreite sie aus ihrer Tristigkeit.

Anne, die bei dem Gedanken daran, dass diese alten, kaum verheilten Wunden durch den Kontakt zu den Crofts, die nun wirklich auf Kellynch Hall einziehen sollen, wieder aufbrechen, kann sich nur dadurch selbst beruhigen, dass lediglich eine Handvoll Personen ihres Bekanntenkreises von diesem monatelangen Téte-á-téte wissen, denn der Diskretion der Mitwissenden ist sie sich sicher.

Was lernen wir über die Charaktere?

Anne Elliot ist mit 19 Jahren ein “reizendes, sanftes Mädchen mit Geschmack und Empfinden” (an extremly pretty girl, with gentleness, modesty, taste and feeling”). Der Ablehnung der Verlobung durch den Vater hätte Anne vielleicht noch widerstanden, aber die Einwände und “Beharrlichkeit” Lady Russells, die sie wie eine Mutter liebt, überzeugen Anne dann doch davon, dass “dieses Verlöbnis ein Unrecht sei”. Darüber hinaus, und das ist für sie weit gewichtiger als ihr eigenes Opfer und auch ihr einziger Trost, bildet sich Anne ein, dass die Lösung der Verlobung auch das Beste für Frederick wäre.

Mehr als 7 Jahre sind seit dieser Begnung vergangen; Anne ist jetzt, in der Gegenwart der Handlung, ca. 26 Jahre alt und für sie steht fest, dass sie, sollte sich jemand in einer ähnlichen Situation mit der Bitte um Rat an sie wenden, demjenigen “nie einen Rat von so ausgemachter Erbärmlichkeit” (advise of ‘immediate wretchedness’), wie sie erhalten hatte, geben würde. Sie war überzeugt, “trotz aller aus der elterlichen Ablehnung erwachsenen Nachteile, trotz aller aus seinem (Wentworths) Beruf entstandenen Nöte, trotz aller Ängste, Aufschübe und Enttäuschungen wäre sie eine glücklichere Frau geworden, wenn sie das Verlöbnis aufrechterhalten hätte.”

Mr. (Kapitän) Frederick Wentworth war im Jahre des ersten Zusammentreffens mit Anne ein “Mann mit sehr viel Klugheit, Geist und Feuer” (“remarkebly fine young man, with great deal of intelligence, spirit and brilliancy”). “Er vertraute darauf, bald reich zu sein. Er hatte immer Glück gehabt und so werde es bleiben”. Nach der Lösung des Verlöbnisses fügt sich in seinem Leben alles so, “wie er es vorhergesagt hatte” und ist demzufolge in der Gegenwart mit einem “handsome fortune” gesegnet.

Sir Walter Elliot zeigt seine Ablehnung durch “große Verwunderung, tiefe Kälte, umfassendes Schweigen.” Seine Taktik bestand darin, “nichts für seine Tochter zu tun”.

Lady Russell wollte die Verbindung der beiden Liebenden, die aus ihrer Sicht ein Absinken Annes in eine “kümmerliche, sorgenvolle und jugendtötende Abhängigkeit” zur Folge gehabt hätte, durch “wohlmeinende, freundschaftliche Einmischung” verhindern (‘by interference of friendship’). Lady Russel sieht in den Eigenschaften und im Vertrauen Wentworths auf das eigene Schicksal “an aggravation of the evil”, bezeichnet ihn als “Feuerkopf” und “Ungestüm”.

Einer Verbindung zwischen Anne und Charles Musgrove hingegen, die Anne den “ehrenvoll den Ungerechtigkeiten des Vaterhauses entrückt” hätte, wäre Lady Russell nicht abgeneigt gewesen. Inzwischen, in der Gegenwart der Handlung, steigt in ihr allerdings “die an Hoffnungslosigkeit grenzende Besorgnis auf, ob Anne sich noch von irgendeinem talentvollen und unabhängigen Mann” in den Ehestand verlocken lasse.

Charles Musgrove (jr.), der älteste Sohn der gut begüterten Familie Musgrove aus Uppercross, hatte Anne umworben als sie 22 Jahre alt war, drei Jahre nach der Verlobung mit Mr. Wentworth. Charles ist “von gutem Charakter” und “vorzüglichem Äußeren”. Nach vergeblichem Werben um Anne heiratete er Mary, Annes jüngere Schwester, und lebt seitdem mit ihr in Uppercross.

Begriffe (deutsch & englisch)

Maßnahmen von St. Domingo” (1806): Im Zuge der Kriege Englands gegen Napoleon fand am 6. Februar 1806 eine Seeschlacht in der Karibik statt, die mit einer Niederlage der französischen Flotte endete. (Quelle)

Mesalliance: Missheirat; eine Eheschließung zwischen Partnern, die verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören. (Quelle)

beredt: eloquent, redegewandt

Charakteristische Wendungen / Sätze (deutsch & englisch) / Orte

“Die jungen Leute wurden allmählich miteinander bekannt und verliebten sich schleunigst ineinander. Es wäre schwer zu sagen, wer von beiden den anderen für vollkommener hielt oder wer glücklicher war: sie über seine Erklärungen und Anträge oder er über deren Widerhall.”

“Er (Sir Elliot) hielt die Verbindung für eine Mesalliance (‘a very degrading alliance’); und Lady Russell betrachtete sie als äußerst unglückselig, wenn auch mit mehr Mäßigung und verständlichem Stolz.”

Über Anne: “Das Erlebnis und der Kummer umwölkten für lange Zeit jegliches Vergnügen der Jugend, ihre blühenden Wangen vergingen, und irh Frohsinn war dahin (‘an early loss of bloom and spirits’).”

Über Anne: “wie beredt waren wenigstens ihre Wünsche um ihre frühere Liebe und um ein freudiges Vertrauen auf die Zukunft gegenüber jener überängstlichen Vorsicht, die jede Mühe beleidigen und der Vorsehung zu misstrauen scheint!”