Handlungszusammenfassung

Kapitän Wentworth ist auf Kellynch Hall eingetroffen, wurde dort bereits von Mr. Musgrove, der vor Dankbarkeit ihm gegenüber überquoll, besucht und zum Dinner in Groß-Uppercross eingeladen, einer Einladung, die der Eingeladene auch überaus freundlich annahm. Um ein Haar verpassen sich Anne und Frederick im Hause der Musgroves am verabredeten Tage allerdings, weil Annes älterer Neffe sich auf dem Weg nach Groß-Uppercross so schwer am Schlüsselbein und Rücken verletzt, dass das geplante Abendessen abgesagt und ein Arzt, Mr. Robinson, bestellt werden musste.

Die gesamte Familie Musgrove macht sich daraufhin auf den Weg nach Klein-Uppercross, um sich nach dem Befinden des Jungen zu erkundigen. Nachdem der erste Schreck abgeklungen ist, fühlen sich die Musgrove-Töchter so frei, ihre ersten Gedanken und Empfindungen bezüglich Kapitän Wentworth, der sich zum Zeitpunkt des Unfalls bereits in ihrem Hause befand, zum Besten zu geben und zu erwähnen, wie sehr man sich doch auf das auf den nächsten Tag verschobene gemeinsame Abendessen freue.

Charles erkennt keine Notwendigkeit darin, zu Hause bei seinem Sohn bleiben und das Abendessen absagen zu müssen, wenn doch Tante und Mutter an des Jungen Bett wachen. Mary, die darauf direkt nichts erwidert, beklagt sich bei Anne, die ihr wiederum vorschlägt, wenn sie, Mary, es für angemessen halte, den verletzten Sohn mit der Tante allein zu lassen, dann könne sie doch ebenfalls am Dinner im „Great House“ teilnehmen, ein Vorschlag den Mary nur zu bereitwillig und dankend annimmt. Der Abend verlief entzückend, man hatte „musiziert, gesungen, geredet, gelacht“ und Charles hatte Frederick für den kommenden Morgen zur Jagd eingeladen.

Sehr zur Freude von Marys eitlem Stolz beginnt der nächste Morgen mit einem flüchtigen Besuch Wentworths in Klein-Uppercross, kurze Momente, von den Anne wünscht, sie wären so schnell wie möglich vorbei: Anne und Fredericks Blicke begegnen sich kurz und der Rest des Augenblicks geht in höflichem Geplänkel aller Anwesenden unter; Die Männer brechen zur Jagd auf.

Das Kapitel endet mit einer ausführlichen Beschreibung von Annes Gedanken über das kurze, soeben erfolgte Wiedersehen und ihren Spekulationen darüber, was Frederick sich wohl wünscht, vorstellt und besonders: was er wohl gefühlt haben mag.

Was lernen wir über die Charaktere?

Mary Musgrove zeigt in ihrer Beschwerde an Anne über die ihr durch ihre Mutterpflichten versagte Teilnahme am gemeinsamen Abendessen auf Groß-Uppercross, dass ihr Geltungsbedürfnis größer ist als ihre Muttergefühle. Sie versucht, diese Einstellung mit fadenscheinigen Argumenten zu rationalisieren: „So ist es recht, er geht fort und amüsiert sich, und ich, die arme Mutter, soll mich nicht vom Platze rühren – obgleich ich gewiss am wenigsten dazu geeignet bin, bei dem Kinde zu bleiben. Gerade weil ich die Mutter bin, sollten meine Empfindungen geschont werden.“ Oder sie zeigt, dass sie ihrer Mutterrolle nicht gerecht werden kann: „Ich sehe nicht ein, warum ich im Krankenzimmer nützlicher sein sollte als Charles. Ich kann das arme Kind nicht immer schelten und quälen, wenn es krank ist; und du (Anne) hast es ja heute morgen selbst gesehen: Als ich ihm sagte, er solle schön ruhig sein, fing er an, um sich zu treten. Für dergleichen fehlen mir die Nerven!“

Charles Musgrove verspürt, als es seinem Sohne besser geht, das Verlangen, Kapitän Wentworth vorgestellt zu werden und setzt seine Teilnahme am Abendessen bei Mary durch, ohne ein Widerwort zu dulden. Als Mary ankündigt, ihren Mann nach Groß-Uppercross zu begleiten, zeigt Charles, dass er gegenüber Anne ein etwas schlechtes Gewissen hat: „aber ich finde es sehr hart für sie, so ganz allein zu Hause zu sitzen und unser krankes Kind zu pflegen.“ Mehr um Annes als um Marys Teilnahme am Abendessen bemüht, „drang er in sie und bot ihr an, sie abzuholen; aber sie ließ sich nicht überreden. (‚kindly urged her to come and fetch her, but she was quite unpersuadable‘)“

Mr. Musgrove begibt sich, sobald die Ankunft Wentworths auf Kellynch Hall bekannt wurde, umgehend zu ihm, um ihm seine Aufwartung zu machen und ihn alsbald zum Abendessen einzuladen. Darüber, dass dieses Essen erst für das Ende der folgenden Woche festgesetzt werden konnte, ist er sehr enttäuscht. Die überschwängliche Dankbarkeit zeugt vermutlich von einer Gewissenslast seinem verstorbenen Sohn gegenüber. Denn im Gegensatz zu ihm, seinem Vater, hat Kapitän Wentworth sich nicht von Richard abgewandt. Nichtsdestotrotz ist das plötzliche und überstürzte Erscheinen der Musgrove-Familie am Bett des verunfallten Enkelssohns ein Ausdruck warmer Fürsorge.

Frederick Wentworth wird nach seiner Ankunft in Kellynch von allen Seiten sehr freundlich empfangen und erwidert die ihm entgegengebrachte Herzlichkeit. Am Morgen nach dem Abendessen, an dem Anne nicht teilnahm,  begibt er sich mit Charles auf die Jagd und in diesem Zusammenhang wird Wentworth von ihm im Hause von Klein-Uppercross vorgestellt. Er verbeugt einmal höflich zur Begrüßung, schwatzt dann etwas Belangloses mit den anwesenden Musgrove-Töchtern, verbeugt sich ein zweites Mal zu Verabschiedung und ist wieder verschwunden. Als Henrietta Musgrove ihn beim Hinausgehen nach Anne fragt bemerkt er beiläufig, sie sei so verändert, dass er sie kaum wiedererkannt hätte (‚altered beyond his knowledge‘).

Anne Elliot gibt sich die größte Mühe, Frederick aus dem Weg zu gehen. Bereitwillig übernimmt sie die Aufgabe, statt der Mutter, ihren ältesten Neffen am Krankenbett zu betreuen. Nach dem Abendessen erfährt sie, das Frederick sich beiläufig nach ihr erkundigt hat und schließt draus, dass er ein Wiedersehen vermeiden will. Als Frederick am nächsten Morgen Marys Haus betritt, fleht sie innerlich, der Moment möge so schnell wie möglich vorüber ziehen. Sie wird mit den verschiedensten Empfindungen überflutet. Sie begegnet Frederick mit einem „halben Blick“, macht einen Knicks und der Rest des Augenblicks verliert sich für sie im Gewirr der anwesenden Stimmen. Auf die Verabschiedung der zur Jagd aufbrechenden reagiert sie mit erregter Dankbarkeit.

Im Nachhall des Moments schalt sie sich selbst für ihre Unvernunft, die diese alten Gefühle nach acht Jahren Verbannung wieder hat aufleben lassen hat. Aber was sind schon acht Jahre für „treu behütete Empfindungen“? Die beiläufigen Aussagen Fredericks zu Henrietta Musgrove über ihre, Annes, „Veränderung“ empfindet sie als tiefe Demütigung. Sie sieht sich ihm gegenüber herabgesetzt: „Nein, die Jahre, die ihre Jugendblüte zerstörten, hatten ihm nur ein glühenderes, männliches Aussehen verliehen und seine persönlichen Vorzüge nicht vermindert. Sie hatte den gleichen Frederick Wentworth wiedergesehen.“ Sie beendet ihr inneres Martyrium mit der Feststellung, dass „ihre Gewalt über ihn für immer gebrochen war“ und er jetzt beabsichtige, sich eine neue Frau zu suchen.

Charakteristische Wendungen

„Eheleute haben meistens ein feines Empfinden, wann ein Einspruch vergebens ist. Mary merkte an Charles‘ Sprechweise seine Entschlossenheit. Jeder Einwand würde zwecklos sein.“

Anne: „Aber würdest du dich denn wohler fühlen, den ganzen Abend fern von deinem Kind zu verbringen?“ Daraufhin Mary: „Bestimmt! Du siehst ja, sein Papa kann es, warum nicht auch ich?“

„Er (Frederick) hatte sie traurig verändert gefunden und es ausgesprochen, als man ihn unvorbereitet fragte. Er hatte Anne Elliot nicht verziehen. Sie hatte ihn schlecht behandelt, ihn verlassen und enttäuscht und dadurch eine Charakterschwäche bewiesen, die für sein eigenes, entschlossenes, vertrauendes Wesen unerträglich war. Sie hatte ihn aufgegeben, um anderen gefügig zu sein, als Ergebnis einer zwingenden Überredung (‚the effect of over-persuasion‘). Sie hatte aus Schwäche und Furcht gehandelt. (‚weakness and timidity‘)“