Handlungszusammenfassung

Frederick Wentworths Empfang in Kellynch ist von „so viel Freundlichkeit und Schmeichelei begleitet“,  dass er sofort regelmäßiger und umworbener Gast in Groß-Uppercross wird. Zu den Gästen dieser morgen- und abendlichen Gesellschaften stößt ein der Familie Musgrove bereits wohl bekanntes Gesicht, der Geistliche Charles Hayter, der älteste Sohn der verwandten Familie Hayter aus Winthrop.

Bevor Wentworth auf der Uppercrosser Bildfläche auftauchte, schien es zwischen Henrietta Musgrove und Charles Hayter ausgemachte Sache zu sein, sich bald miteinander zu verloben. Zu seinem Unmut muss er nach seiner zweiwöchigen Abwesenheit feststellen, dass Henrietta nicht nur, wie Lousia, stark um Fredericks Aufmerksamkeit buhlt, sondern sich darüber hinaus nur noch halbherzig für ihn und seine Pläne bezüglich einer nahegelegenen Pfarre interessiert.

Mary und ihr Mann spekulieren in Annes Gegenwart darüber, welche der beiden Musgrove Töchter wohl die größeren Aussichten auf eine Heirat mit Wentworth habe, der inzwischen wohl über ein eigenes Vermögen von über 20.000 Pfund verfügen soll. Mary lässt kein gutes Haar an Hayter beziehungsweise seiner gesellschaftlichen Stellung und bevorzugt Wentworth vor Hayter für die Musgrove Töchter insbesondere um ihretwillen.

Anne vermeidet eines Morgens wieder einmal ein Frühstück bei den Musgroves, bleibt in Klein-Uppercross, wo sie von Wentworth überrascht wird. Auch er hatte so unverhofftes Zusammentreffen offensichtlich nicht vorhergesehen, denn „diese Überraschung raubt ihm seine übliche Ruhe (‚deprived his manners of their usual composure‘)“. Anne, die sich in diesem Moment liebevoll um den noch kranken Charles jr. kümmert, wird in dieser Szene plötzlich von ihrem anderen Neffen Walter quasi spielerisch überfallen und kann sich auch durch strenges Zureden und Wegstoßen nicht von ihm befreien. Ruhig und souverän befreit Wentworth sie, eine Art die Anne tief beeindruckt. Nachdem die Musgrove Töchter eintreffen und gemeinsam mit Hayter und Wenworth aufbrechen, kann Anne sich schließlich zurückziehen. Sie braucht lange, um sich vom starken Eindruck dieses Momentes zu erholen.

Was lernen wir über die Charaktere?

Charles Hayters Mutter Mrs. Hayter ist die Schwester Mrs. Musgroves. Der Familiensitz der Hayters befindet sich in Winthrop, ca. 2 Meilen von Uppercross entfernt. Die Hayter-Familie ist weniger gut betucht, gebildet und angesehen als die Musgroves, aber Charles sticht positiv bemerkenswert aus ihr heraus. Er selbst ist Geistlicher und hat die Aussicht auf eine renommierte Stellung in einer nahegelegenen Pfarre. Er sieht einen Rivalen in Wentworth und zeigt ihm gegenüber auch seine Ablehnung, hat jedoch die Hoffnung auf Henriettas Zuneigung, die für seinen Geschmack bereits zu lange bestanden hatte, als so schnell verflogen zu sein, noch nicht aufgegeben. 

Mary Musgrove, die wie ihr Vater und ihre ältere Schwester den Adel für alle niedriger gestellten Menschen überlegen hält, äußert sich sehr abschätzig über Charles Hayter. „Sie schaute auf die Hayters herab und hielt es nicht für wünschenswert, die bestehende Verwandtschaft zu erneuern.“ Charles zu heiraten hieße für Henrietta, sich „fortzuwerfen“. Sie begründet dies mit der bereits geschlossenen Ehe zwischen sich, dem Adel, und dem ältesten Sohn der Musgroves. Neben der Entsetzlichkeit für Henrietta wäre es eine noch schlechtere Sache für sie selbst, für Mary, meint sie. (‚

Charles Musgrove hält Charles Hayter, ähnlich wie  seine Frau, zwar für eine aussichtsreiche, aber dennoch nicht gute, Partie für Henrietta. Er pflichtet ihr soweit bei, dass jeder „andere der Hayter tatsächlich eine schlechte Partie für Henrietta wäre.“

Henrietta und Lousia Musgrove sind Feuer und Flamme für Frederick Wentworth. Henrietta, die mit Charles Hayter eine gewisse stillschweigende Übereinkunft getroffen zu haben schien, kann kaum mehr genügend Höflichkeit aufbringen, den Plänen ihres alten Verehrers zu lauschen. Louisa ist nicht beherrschter in ihrem Desinteresse für Hayters Pläne: „alle frühere Anteilnahme (an den Plänen Charles Hayters) schien dahin zu sein.“

Frederick Wentworth wird allseits angehimmelt und genießt seinen Aufenthalt in Kellynch so sehr, dass er eine geplante Weiterreise zu einem Freund nach Shropshire aufschiebt. Als er Anne eines Morgens allein in Klein-Uppercross antrifft „fährt er zusammen“ und seine übliche Ruhe scheint dahin. Dieser Moment plänkelt mit ein paar spärlichen und oberflächlichen Wortwechseln zäh dahin bis Charles Hayter den Raum betritt. Offensichtlich ohne von der bestehenden Rivalität zwischen sich und Hayter zu wissen, versucht Frederick seine Raison in einem Gespräch mit Hayter wiederzuerlangen, was dieser allerdings non-verbal und entschieden ablehnt. Als Anne von ihrem kleinen Neffen Walter grob überrascht wird und sich nicht befreien kann, schreitet er in aller größter Ruhe zu ihrer Hilfe, befreit sie und beschäftigt sich danach intensiv mit dem Jungen, augenscheinlich um einem weiteren Wortwechsel mit den Anwesenden, insbesondere Anne, zu vermeiden. 

Anne Elliot redet wie immer wenig. Sie ist ebenso wie Frederick von der plötzlichen Zweisamkeit überrascht und wünscht, sie möge schnell vorübergehen. Nicht einmal ein „Danke“ bringt sie in ihrer Verwirrtheit über die Lippen nachdem sie bemerkt hat, wer ihr so ruhig und bestimmt zu Hilfe geeilt ist. „Die Empfindungen verschlugen ihr bei dieser Entdeckung die Sprache.“ Seine Freundlichkeit verursachten bei ihr eine „Verwirrung solch unterschiedlicher, aber tief schmerzlicher Erregung, dass sie sich nicht davon erholen konnte.“

Begriffe (deutsch & englisch)

Base: Vaterschwester (heute einfach nur Tante; Quelle)

Vetter: Vaterbruder (heute einfach nur Onkel; Quelle)

Gig: einspännige, zweirädrige offene Kutsche mit Gabeldeichsel für ein Pferd (Quelle)

to deem something or someone of consequence: etwas oder jemandem Bedeutung beimessen

delicacy: hier Zartfühligkeit, Empfindsamkeit

Charakteristische Wendungen

Der kleine Walter betritt den Raum: “ ein Kind von zwei Jahren, hatte sich von jemandem draußen die Tür öffnen lassen, hielt seinen gewichtigen Einzug steuerte schnurstracks auf das Sofa zu, um zu sehen, was dort vorging (Anne hockt dort gebeugt über Charles jr.), wobei er einen Anspruch auf alles Gute erhob, was zu erhaschen sein mochte (‚put in his claim to anything good that might be giving away‘).“

Annes Gedanke über ihre emotionale Reaktion: „Sie schämte sich ihrer selbst, schämte sich sehr, so verwirrt und von einer solchen Kleinigkeit überwältigt gewesen zu sein. Aber so war es, und es bedurfte einer langen einsamen und nachdenklichen Einkehr, um sich zu erholen (‚She was ashamed of herself, quite ashamed of being so nervous, so overcome by such a trifle; but so it was, and it required a long application of solitude and reflection to recover her“).