Die in diesem Kapitel folgende Beschreibung der Anfangsszene des Romans ist so detailreich und fesselnd, dass es eigentlich zu schade ist, sie nur teilweise oder verkürzt wiederzugeben. Dennoch:

Wir lernen das Leben der „Vorstädter“ kennen, denen eine Fabrik jeden Tag aufs Neue metaphorisch die „Kraft aus den Muskeln saugt“ und sie zum Feierabend wieder ausspeit, um sie in ein paar Stunden Trunkenheit zu entlassen, bevor sie sie am nächsten Morgen mit dem stechenden Schrill der Werksirene wieder zu sich ruft.

Wir befinden uns in der Hochzeit der Industrialisierung an der Wende von 19. zum 20. Jahrhundert irgendwo in einer kleinen, russischen Vorstadt:

„Tagtäglich erklangen in der rauchigen, öligen Luft über der Arbeitervorstadt die zitternden, heulenden Töne der Fabriksirene, und ihrem Ruf gehorchend, kamen aus den kleinen grauen Häusern gleich erschreckten Küchenschaben finstere Menschen auf die Straße gelaufen, die ihre Muskeln durch Schlaf nicht hatten erfrischen können.“

„Abends, wenn die Sonne unterging und ihre roten Strahlen müde in den Fensterscheiben der Häuser glänzten, stieß die müde Fabrik die Menschen gleich übriggebliebenen Schlacken aus ihrem Steinschoße aus, und verrußt, mit schwarzen Gesichtern, in denen die hungrigen Zähne schimmerten, gingen sie wieder durch die Straßen und verbreiteten in der Luft den klebrigen Geruch des Maschinenöls. Jetzt klangen ihre Stimmen lebhaft und sogar freudig. Für heute war die Fronarbeit beendet, zu Hause harrten ihrer das Abendessen und die Ruhe.“

Charakterliche Prägungen

Der Alltag dieser Menschen formt ihren Charakter: Einzige Lichtblicke sind Feiertage, an denen sie sich schön anziehen, „Piroggen essen“, sich danach wieder schlafen legen und sich abends wieder betrinken. Alles, was diese Menschen geistig und körperlich beschäftigt, ist die Arbeit.

Wenn die Männer getrunken haben, schlagen sie ihre Frauen und das nicht zögerlich. Wenn keine Frauen in der Nähe sind, schlagen sich die Männer gegenseitig blutig: „In den gegenseitigen Beziehungen der Menschen überwog das Gefühl lauernder Gehässigkeit, es war ebenso eingewurzelt wie die unheilbare Müdigkeit ihrer Muskeln.“

Dieses Leben, dieser Lauf der Dinge, war von den Vätern übernommen und begleitet sie als „schwarzer Schatten“ bis zum Grabe.

So wie sie es von ihren Eltern gelernt hatten, geben sie es an ihre Kinder weiter. Die Kinder trinken selbst, werden von Vater und Mutter geprügelt und alle Beteiligten finden, das alles sei so „in der Ordnung.“

Fremde, die in die Vorstadt kommen, bestätigen, dass das Leben der Arbeit auch anderswo so sei. Andere Fremde wiederum, die seltsame Dinge erzählten, wurden gemieden, wenn sie sich nicht assimilierten; Die Vorstädter „fürchteten gleichsam, dass dieser Mensch (der Fremde) etwas in ihr Leben hineintragen werde, was dessen trostlos einförmigen, zwar schweren, aber dennoch ruhigen Verlauf stören könnte. Die Menschen hatten sich daran gewöhnt, dass das Leben sie mit stets gleichbleibender Kraft niederdrückte, sie erwarteten keine Änderung zum Besseren und glaubten, alle Veränderungen könnten nur den auf ihnen lastenden Druck vermehren.“

Die zynische Pointe folgt am Ende des Kapitels: „Hatte der Mensch dieses Leben 50 Jahre lang gelebt – starb er.“