Pawel lebt mit seiner Mutter nun allein in dem kleinen Arbeiterhäuschen und versucht, in die Fußstapfen seinen Vaters zu treten: „etwa vierzehn Tage nach dem Tode des Vaters kam Pawel Wlassow an einem Sonntag stark betrunken nach Hause. Taumelnd zwängte er sich auf den Ehrenplatz, schlug mit der Faust auf den Tisch, wie es der Vater getan hatte, und schrie die Mutter an: ‚Abendessen!‘“

Offensichtlich zum ersten Mal in seinem Leben betrunken lässt er sich von der zärtlichen Kraft seiner Mutter besiegen, die ihn mit Wasser und Eis zu Bett bringen will. Kurz bevor er dann entschlummern kann beantwortet er die Frage seiner Mutter, wie er sie denn als Trunkenbold ernähren wolle, mit einem trotzigen: „Alle trinken!“

Dieser Auspruch und das tränenschwere Gesicht seiner Mutter führen dazu, dass er sie, und somit der Leser, seit langem zum ersten Mal sieht: „Sie war groß, etwas gebeugt, und ihre von langer Arbeit und den Schlägen ihres Mannes ausgemergelte Gestalt bewegte sich lautlos, etwas schief vorwärts, als fürchtete sie stets, irgendwo anzustoßen. In ihrem breiten, ovalen, von Runzeln durchfurchten Gesicht leuchteten dunkle und unruhig traurige Augen – wie bei den meisten Frauen der Vorstadt.“

Dieser Abend verändert das Leben der Wlassows grundlegend; zwar versucht Pawel weiterhin, sich an den so magenfeindlichen Branntwein, den alle trinken, zu gewöhnen und nimmt an Unterhaltungsabenden teil, allerdings kommt er immer häufiger nüchtern zurück. Seine Freunde treffen ihn zu Hause nicht mehr an und überhaupt beginnt er, „sich zielbewusst und hartnäckig vom dunklen Strom des Lebens“ abzusondern, was in seiner Mutter ein „unklares Angstgefühl“ erweckt.

„Morgens trank er schweigend seinen Tee und ging zur Arbeit, mittags erschien er zum Essen und dann verschwand er wieder bis zum Abend. Abends wusch er sich sorgfältig, aß zur Nacht und las dann lange in seinen Büchern.“

Das Verhalten seiner Mutter gegenüber veränderte sich ebenfalls: „er nannte sie ‚Mama‘ und sagte ‚Sie‘ zu ihr, doch bisweilen wandte er sich plötzlich zärtlich an sie: ‚Mach dir bitte keine Sorge Mutter, ich komme erst spät nach Hause…‘“

Zwei Jahre gehen so ins Land…